Weissenburg muss wieder schließen

Auf Anordnung der Landesregierung muss das Café der Weissenburg ab Montag, 2. November 2020 im Rahmen der Corona-Schutzmaßnahmen mindestens bis 30. November 2020 wieder schließen.

Die Weissenburg würde nächstes Jahr 25 Jahre alt werden. Durch die nochmalige Schließung sehen wir unser Café einer Existenz bedrohlichen Lage ausgesetzt. Schon im Frühjahr konnten wir die Schließung nur durch staatliche Hilfen überbrücken. So steht, wie auch andere Stellen, der ehrenamtlich geführte geschäftsführende Vorstand diesen Maßnahmen gespalten gegenüber. Einerseits begrüßen wir angesichts der momentan beunruhigend steigenden Zahlen den Schutz der Bevölkerung und den Wunsch, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten und möchten nicht dazu beitragen, dass Ärzte und Pfleger im Dezember oder sogar schon früher, vor der Entscheidung stehen müssen wem sie helfen können und wem nicht.

Andererseits bieten wir in unserem Verein der LSBTTIQ Community, einem immer noch besonders vulnerablen Teil der Gesellschaft, einen Ort zum Treffen und zum Austausch, der zur Linderung der psychischen Belastungen der Pandemie beiträgt. Wir haben in den letzten Jahren über 20 Selbsthilfegruppen, Stammtischen, Chören und anderen Gruppentreffen einen geschützten Raum bieten können. Durch die Maßnahmen wird dieser massiv beeinträchtigt bis verhindert und damit Depression und Rückzugsverhalten gefördert. Statt im kontrollierten Rahmen Kommunikation zu ermöglichen, findet sie jetzt privat organisiert und damit oft unter kritischeren Rahmenbedingungen statt, als sie in unseren Vereinsräumen möglich ist.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DeHoGa) will gegen die Schließungsanordnung klagen. Diese Klage wird, auch wenn die Weissenburg aus Kostengründen nicht Mitglied dieses Zusammenschlusses ist, von den Vorstandsmitgliedern Joachim Stein, Heike Pitz und Philine Pastenaci ausdrücklich unterstützt.

In den Räumen der Weissenburg ist seit der Wiedereröffnung am 27. Mai 2020 keine Coronainfektion weitergegeben worden. Es gibt ein funktionierendes Hygienemanagement und ausreichend Platz, um Mindestabstände einzuhalten. Alle Voraussetzungen für einen überlegten Umgang mit der Viruserkrankung sind vorhanden und werden gelebt.

Unterhalb der Schließungsanordnung hätte es sehr wohl die Möglichkeit gegeben, Einschränkungen anzuordnen wie z.B. ein Abgabeverbot für alkoholhaltige Getränke oder eine strengere Sitzordnung, wie bereits am Anfang der Wiederöffnung verfügt. Wir würden es daher sehr begrüßen und halten es auch im Hinblick auf den Gesundheitsschutz für zielführender, wenn die deutsche Gerichtsbarkeit hier nachjustiert.

Gezeichnet:

Der geschäftsführende Vorstand des Weissenburg e.V., Zentrum LSBTTIQ Stuttgart